Action! - Ritual nach Drehbuch

Action! – Ritual nach Drehbuch

Partizipatives Projekt im Museum für Kommunikation Bern, 2014

 

Ausgehend von der Wechselausstellung «Rituale. Ein Reiseführer zum Leben» im Museum für Kommunikation setzen sich die TeilnehmerInnen und Vermittlerinnen mit der Thematik «Gruppen und Rituale» auseinander. Gemeinsam erfinden wir neue Rituale, welche wir im öffentlichen Raum der Stadt Bern ausführen. Durch die spielerisch-experimentelle Auseinandersetzung erleben die TeilnehmerInnen unmittelbar, welche Dynamik Rituale auslösen. Um eine heterogene Gruppe von StudentInnen für die Teilnahme zu gewinnen, wurde das Projekt an verschiedenen Berner Hochschulen ausgeschrieben. Das Projekt wurde am 28. Juni 2014 mit sechs TeilnehmerInnen durchgeführt.

 

Der Begriff «Ritual» ist äusserst komplex, da seine Definition subjektiv ist. Es existieren viele unterschiedliche Positionen, was in der Forschung zu Streitpunkten führt. Diese beziehen sich vor allem auf die Abgrenzung von Routine und Ritual. Symbolik, Kollektivität und bewusstes oder unbewusstes Handeln werden als abgrenzende Faktoren diskutiert. Rituale können als inszenierte Handlungen verstanden werden, welche vorgefertigten Abläufen folgen. Aus diesem Grund war es für die Vermittlerinnen

naheliegend, das Thema von einer performativen Seite her anzugehen. Folglich erarbeiteten sie mit den TeilnehmerInnen neue Rituale, die die Gruppe im öffentlichen Raum ausführte. Hauptziel des Projektes ist es, ein Teil der Ausstellung mit den TeilnehmerInnen theoretisch zu betrachten, Rituale zu erfinden und durch eigenes Handeln erfahrbar zu machen. Das Projekt bietet einen aktiven und erlebbaren Zugang. Die TeilnehmerInnen werden in den Prozess eingebunden und beteiligen sich sowohl kognitiv als auch performativ. Das Projekt ist so konzipiert, dass sich die Rolle der Vermittlerinnen im Verlauf des Tages wandelt. Ziel ist es, die Steuerung während der Erarbeitung der Rituale immer mehr den TeilnehmerInnen zu überlassen. Die Vermittlerinnen geben die führende Rolle kontinuierlich ab und werden für die Inszenierung Teil der Gruppe. Der Beteiligungsgrad verändert sich von Rezeption über Interaktion zu Partizipation. Die Vermittlerinnen bieten wähend dem Ausstellungsbesuch theoretische Inputs. Zusätzlich wird mittels Fragen ein persönlicher Bezug zum Thema gewährleistet und die TeilnehmerInnen zur aktiven Beteiligung animiert. Durch kontroverse Beispiele aus dem Kunstkontext regen die Vermittlerinnen eine Diskussion über den Begriff Ritual an. Durch die persönliche Reflexion des Begriffs und dem Austausch im Plenum werden die TeilnehmerInnen miteinbezogen. Zur Erarbeitung der eigenen Rituale geben die Vermittlerinnen einen Rahmen in Form von Schlüsselbegriffen vor. Die Vermittlerinnen schliessen sich den TeilnehmerInnen an und sie erarbeiten im Kollektiv, als Gruppe neue Rituale. Diese führt die Gruppe während einer einstündigen Performance in der Altstadt aus.